Was wünschen wir uns wirklich für unsere Kinder

 

 

 

Immer wieder stellt sich uns diese Frage ?

 

Schon zu beginn der Schwangerschaft beginnt dieses Gedanken - Karussell zu kreisen. 

 

Wir malen uns in den schönsten Farben aus, wie die erste Zeit sein wird, schmieden vielleicht schön Pläne über die Elternzeit, wann das Kind in eine Krippe oder in den Kindergarten soll.

 

 

Einige haben bereits Pläne für den Schulabschluss oder die Vision, dass unser Sprössling in unsere Fußstapfen tritt.

 

Bild: Christo Anestev

Text: Indira Brünjes

 

Doch welche Wünsche / Träume  haben wir wirklich für unsere Kinder?

 

 

Wir möchten dass sie glücklich aufwachsen, gesund sind, Vertrauen in sich selbst haben und  Selbstbewusst sind. Ihre Träume verwirklichen und ein selbstbestimmtes Leben führen.

 

Doch genau hier fangen wir als Eltern an zu manipulieren. Denn wir glauben, dass wir viel besser wissen was gut und richtig für unsere Kinder ist. Getrieben durch unsere eigenen Ängste verlieren wir das Vertrauen in unsere Kinder. Halten sie zurück, wenn sie sich sicher genug fühlen ihren Weg zu gehen. 

 

 

Gerade in der heutigen Zeit begegnet mir immer mehr, unterstützt durch das Handy die absolute Kontrolle unser Kinder. 

 

In meiner Kindheit durften wir noch den ganzen Nachmittag draußen verbringen, ohne dass stündlich von uns jemand wissen wollte, ob noch alles in Ordnung ist. Es gab eine vereinbarte Uhrzeit zu der wir zu Hause zu sein hatte. 

 

Der Nachmittag gestaltete sich auch manchmal mit Herausforderung, durch älter Kinder die uns ärgerten, gemeinsam fanden wir Lösungen wenn ein Fahrrad, oder ein Spielzeug kaputt war. Wir lernten uns abzugrenzen, ein Team zu sein wenn wir Spiele spielten.

 

Wir waren ständig umgeben von Zigaretten und Alkohol, es wurde viel zu Hause mit mehreren Generationen gefeiert. Viel früher als heute hat bestimmt das ein oder andere Kind den Rest eines leeren Likörglases probiert.

 

Als Mutter eines erwachsenen Sohnes und einer heranwachsenden Tochter begegnete mir natürlich auch irgendwann das Thema Alkohol, darf ich mit auf die Fete……..

 

Ich bin vor einigen Jahren noch viel unsicherer gewesen, habe strengere Regeln gesetzt, die meines heutigen Wissens nach gebrochen wurden. Unser Sohn plauderte letztes aus dem Nähkästchen. Ich bin heute dankbar, dass ich es damals nicht wusste, alles gut gegangen ist und wir heute darüber lachen können.

 

Ich durfte beobachten, mich mit anderen Eltern austauschen, viele Bücher zum Thema Erziehung lesen.

 

 

Fazit: Es kommt immer anders als man denkt.

 

Auch heute bei unserer heranwachsenden Tochter stellen sich mir die gleichen Fragen.

 

 

Meine Entscheidung heute entspringt nicht mehr aus der Angst. Ich prüfe was machbar ist, versuche sicher mich auch in der ein oder anderen Situation abzusichern, sofern dies überhaupt möglich ist.

 

Ein Beispiel: 

Die Kinder haben ein paar Tage außerplanmäßig Schulfrei. Sie sind ca. 14 Jahre alt und planen ohne Begleitung eines Erwachsenen einen Freizeitpark aufzusuchen. Dieser ist ungefähr 100 km entfernt. Unsere Tochter war immer ein sehr zurückhaltendes Kind, nie gern in großen Gruppen unterwegs und wenn es irgendwo sehr laut war, wollte sie lieber nach Hause. Zu Hause fühlt sie sich am wohlsten.

 

Unser Sohn war schon mit dem Dreirad auf Entdeckungsreise, also das genaue Gegenteil seiner Schwester. Er wollte bereits mit 10 Jahren allein mit dem Zug zum Logopäden in einen 30 km entfernten Ort fahren, weil er schließlich schon 10 ist und in die vierte Klasse geht. 

Ich habe mit ihm dann die Fahrt einmal geübt. Wir sind getrennt zum Bahnhof, er mit dem Fahrrad ich zu Fuß mit dem Kinderwagen. 

Am Bahnhof hat er sich dann allein seine Karte geholt, ein anderer Junge hat versucht ihm zu helfen, doch unser Sohn wollte es allein machen. 

Fahrkarte gezogen, in den Zug eingestiegen, natürlich in getrennte Wagons.

 

Mir war ein wenig unwohl, sollte ich ihn wirklich schon in der nächsten Woche allein fahren lassen?

 

Zur Rückfahrt haben wir uns wieder auf dem Bahnhof getroffen, diesmal war es ok, dass wir im gleichen Wagon sogar nebeneinander saßen. 

Ich konnte sehen wie glücklich er war, dass auf der Hinfahrt alles so gut geklappt hat, er zur Rückfahrt pünktlich am Bahnhof war und er freute sich auf die nächste Woche.

 

 

Der nächste Termin kam, wir haben alles noch einmal besprochen. Um mich selbst zu beruhigen gab ich ihm mein Handy mit, für alle Fälle.

 

Ich gebe zu, dass es mir nicht leicht viel ihn allein fahren zu lassen, doch wir haben ihn immer unterstützt wenn er das Gefühl hatte er kriegt das schon hin. Also warum nicht auch dieses Mal.

 

Er also los und ich, mich selbst immer wieder beruhigend zu Hause, hoffend dass es endlich 19:00 Uhr ist und er wohlbehalten zurück.

 

Da klingelt das Telefon.

 

„Mama ich glaube ich bin im falschen Zug.“

 

 

Ok, atmen!

 

„Am Bahnhof aussteigen und nicht von der Stelle bewegen“, lautet meine Anweisung. Den Logopäden anrufen, dafür sorgen, dass das Kind, was jetzt dort war und eigentlich mit unserm Sohn wieder zurückfahren würde, allein nach Hause kommt, meinen Mann bitten auf die Kleine zu achten und ich den Autoschlüssen in der Hand zum Auto.

 

Das Telefon klinget wieder.

 

„Mama ich bin doch im richtigen Zug, die hatten nur vergessen die Beschriftung für die Fahrtrichtung umzuschalten. Dann bis nachher.“

 

 

Ok, durchatmen! Erleichterung, den Logopäden anrufen, dass er doch noch kommt, die Bestätigung erhalten, dass er wohlbehalten angekommen ist, zwar ein bisschen aufgelöst, aber alles ist gut.

 

Sie können sich vorstellen, dass ich erst einmal kurz in mich ging. Ich wusste nicht ob ich weinen sollte. Erleichtert war ich auf jeden Fall. Und ich wusste, mit dieser Erfahrung wird er noch schneller als mir lieb ist selbstständig werden. 

 

 

Es kamen dann auch schon bald die nächsten Situationen in denen er sich frei strampelte.

 

Zurück zu unserer Tochter und der Reise in den Freizeitpark. Sie war jetzt bereits mit einigen Jungendfreizeiten mitgefahren, hatte daran ihre Freude entdeckt und jedesmal wenn sie aus dem Bus stieg konnten wir sehen, dass ihr Selbstbewusste gestiegen war, sie sich sicherer in der Welt da draußen bewegte. Doch hier waren immer Teamer und Erwachsene dabei gewesen. 

 

Sie ist noch nie allein mit dem Zug oder Bus in die nahegelegen Stadt gefahren.

Doch jetzt sollte es dieser Freizeitpark werden.

 

 

Ich spürte, dass ich mir nicht sicher war, ob ich dem schon gewachsen bin. Es ging tatsächlich um mich. Sie wollte es ja.

 

Also zwei Mädels, fünf Jungs. Das andere Mädchen kannte ich, doch von den Jungen keinen. Wusste nur dass sie in ihrem Jahrgang sind und einer die Organisation der Fahrt übernimmt. 

 

Um mich selber sicher zu fühlen habe ich mir die Verbindung von Hier nach Da angesehen. Ok alles gut zu erreichen, sie müssen zwar noch mit dem Bus in den Parkt aber auch dass war gut beschrieben. Etwas mehr Sorge bereitete mir die Rückfahrt. 

 

Denn wenn sie den Bus verpassen würden…….

 

 

Ich schaute auch auf die Webseite des Freizeitparks, versuchte herauszufinden, ob die Kids denn überhaupt allein in den Park als Gruppe dürfen. Meine Stille Hoffnung war, dass ein Erwachsener mit müsste, doch nach einem Telefonat mit einer netten Mitarbeiterin war diese Hoffnung geplatzt. Sie durften allein kommen.

 

Nächste Hoffnung. Es gab da die ein oder anderen Hindernisse in Bezug der Buchung der Bahnfahrkarte, es verzögerte sich von Tag zu Tag, da noch nicht alle das Geld abgegeben hatten, einer dann doch nicht durfte und ich wiegte mich im Vertrauen, dass es ja vielleicht nicht klappt.

 

 

Doch es klappte. Die Fahrkarte wurde gebucht, die (Kinder) Jungendlichen trafen sich morgens um 7:00h am Bahnhof. Allein die Tatsache, dass sie bereit waren an einem Schulfreien Tag um 6:00 aufzustehen zeigt wohl wie groß der Wunsch war dieses Abenteuer einzugehen.

 

Tatsächlich gelang es mir, auch meinen Tag zu genießen. Obwohl sich das Handy unserer Tochter noch kurzfristig aus dem Netzt verabschiedete. Sie war bereit mir ein paar Kontakte ihrer Mitstreiter zu geben, mit dem Versprechen diese nach ihrer Rückkehr wieder zu löschen.

 

Gegen 19:00 verspürte ich eine leichte Unruhe, plötzlich fragte ich mich ob sie wohl den Zug erreicht hatten, ob sie wohlbehalten nach Hause kommen würde. 

Wieder triebe mich die Angst, aber wo vor eigentlich. 

 

Es gab keine Nachrichten in denen ein Zug entgleist war, keine Zwischenfälle wurde  in einen Freizeitpark gemeldet, also was war mit mir los.

 

 

Gegen 20:30h war sie glücklich und erschöpft zu Hause.

 

Seid diesem Ausflug ist sie noch selbstsicherer geworden, man kann es sogar an ihre Körperhaltung und dem Körperausdruck erkennen.

Ich bin so Stolz auf sie. Sie hat es super gemacht. Ja, sie darf in ihrem Tempo erwachsen werden.

 

Es war die Aufregung und die Angst, dass auch sie jetzt für sich die große weite Welt entdeckt. 

 

Ich genau weiß, dass es viele Situationen gibt, vor denen ich sie nicht beschützen kann. Sie ihre eigen Fehler machen wird. 

 

Sie wird sich ausprobieren, enttäuscht werden, es wird ihr auch jemand das Herz brechen, doch sie wird auch wachsen, sich behaupten, sich selber immer besser kennen lernen, ihren Gefühlen und Instinkten vertrauen. 

 

Doch dass wichtigste ist, sie wird uns vertrauen, denn sie weiß, das sie, egal was ihr begegnet, welche Entscheidung sie getroffen hat, einen Rat oder Wunsch unserer Seitz ausgeschlagen hat, wir werden für sie da sein.

 

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich meine Kinder nicht vor den Erfahrungen des Lebens schützen kann. Ich will hier gar nicht über Lebensplan und Seelenweg sprechen. Es geht darum, darauf zu vertrauen, dass alles was sie in ihrem Leben an Erfahrungen machen, sie zu dem Menschen werden lassen der sie eines Tages sein werden.

 

 

So ist es bei uns doch auch gewesen. Wie viele Ratschläge unserer Eltern haben wir ignoriert, geglaubt wir wüssten es besser. Manchmal hat sich rausgestellt, es wäre leichter gewesen ihn befolgt zu haben. Doch jeder von uns braucht seine Fehler, dann sie lassen uns erst wachsen. Sie sind unserer größten Lehrer.

 

Mach so viele Fehler wie möglich!

 

In unseren Augen sind unserer Kinder / Jungendlichen immer zu jung für bestimmet Erfahrungen. Sei es Alkohol, Sexualität, den Wunsch nach mehr Freiheit von uns.

 

Wir können unsere Jungendlichen nicht von diesen Erfahrungen fern halten, sie werden sie machen ob es uns gefällt oder nicht. Die Frage ist doch, trauen sie sich es uns zu erzählen. Sich Rat zu holen, wenn sie sich nicht sicher sind wie sie sich verhalten sollen. 

 

Es ist sicher hier jedem selbst überlassen zu entscheiden ob und wie er sein Kind unterstütz. Wir haben uns entschieden das Thema Alkohol offen anzusprechen und mit uns gemeinsam darf auch mal was probiert werden. Der Reiz des Neuen ist damit schonmal nicht mehr so groß. Es gelingt ihr auf einer Party selbstsicherer etwas abzulehnen. Der Wunsch es doch zu probieren ist nicht so groß, da sie weiß wie es schmeckt. Und mal ehrlich Leute, wann haben wir den ersten Kontakt mit Alkohol und Zigaretten gehabt? Ich verweise nochmal auf den Anfang. Wir waren als Kinder davon umgeben. 

 

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin nicht dafür, dass unsere Kinder dauernd mit Alkohol in Kontakt sein sollten, unkontrolliert zu Hause auf dem Sofa sich einen ansaufen.

 

Doch wir alle wissen, dass der Reiz so groß ist etwas auszuprobieren was man nicht darf.

 

 

Wenn Sie Ihrem Kind etwas nicht erlauben möchten ist das Ihr gutes Recht. Formulieren Sie es mit einer klaren Aussage:

 

„Ich erlaube dir nicht auf dieser Party Alkohol zu trinken.“ Das ist eine klaren Ansage.

 

 

Wenn Sie die ganze Zeit davon sprechen was Sie nicht möchte, hat das Kind zwar die Information was Sie nicht wollen, doch es weiß immer noch nicht ob es etwas darf oder nicht. Es wurde nicht klar ausgesprochen, was Sie von Ihrem Kind erwarten .

 

Sätze wie „Ich würde es nicht gut finden wenn du auf dieser Party Alkohol trinkst“, zeigt dem Kind nur was sie nicht wollen, doch nicht was das Kind nicht soll.

 

Eines der wichtigsten Faktoren in unserer Beziehung zu unsern Kindern ist unsere Kommunikation. Es lassen sich viele Verletzungen vermeiden und es ist für jeden klar erkennbar was eigentlich gemeint ist und um wen es eigentlich geht.

 

Wenn Sie in der ICH Positionen bleibe, können Sie klar ausdrücken wie es Ihnen geht.

Ich wünsche mir….

Ich empfinde dass als…

Mich hat das ……..

 

 

Wenn Sie in die DU Positionen gehen, beschuldige Sie, geben dem anderen eine Schuldzuweisung.

 

Du hast mich verletzt -           Das was du entschieden hast, hat mich verletzt

Du bist verantwortungslos -  Ich hätte mir gewünscht, du wärst verantwortungsvoller damit umgegangen

Du bist verlogen -                    Ich empfinde das nicht als ehrlich, was du mir erzählst.

 

 

Dies sind nur ein paar Beispiele die vielleicht die Energie in den Worten widerspiegeln.

 

Ich wünsche mir für unsere Kinder, dass sie so viel Vertrauen zu uns haben, dass selbst wenn sie genau wissen, dass sie etwas gegen unsere Entscheidung oder gegen unsere Überzeugung gemacht haben, auf uns zählen können. Wir für sie da sind, sie abholen, egal wo sie sind.

Ihnen den Kopf halten wenn sie spucken müssen und sie liebevoll halten, wenn das Herz gebrochen wurde. Ohne Vorträge, ohne „Wir haben es dir ja gesagt.“

 

 

Lassen Sie  uns unsere Kinder sehen als was sie wirklich sind. Sie sind Geschenke an uns, wir dürfen sie gebären, einige werden uns von andern Eltern geschenkt, weil sie selbst nicht in der Lage sind sich um dieses wundervolle Geschöpf zu kümmern.

 

Es bleiben Geschenke an uns. Unsere Aufgabe besteht darin ihnen zu helfen. Sie zu Unterstützten. 

 

Das größte für mich ist, in den Augen meiner Kinder zu sehen das sie glücklich sind.

 

 

Mir muss die Wahl ihres Berufes, ihrer Hobbys oder ihres Partners nicht gefallen. Es ist ihr Leben. 

 

Wir könnten mehr Zeit darin investieren zu schauen ob wir eigentlich das Leben leben, welches wir uns wünschen.

Sind wir glücklich?

Sind wir zufrieden?

Erleben wir täglich einen Augenblick der Freude?

Oder ist unserer Konzentration nur darauf gerichtet, wie wir das Leben anderer bewerten, gestalten und manipulieren, weil wir Angst haben, sie könnten die gleichen schmerzvollen Erfahrungen machen wie wir?

Oder glauben wir zu wissen, was das BESTE ist?

 

 

Ich wünsche allen, dass sie täglich das Strahlen und Leuchten in der Augen der Kinder sehen. 

 

Denn nur aus diesen Kindern werden glückliche Erwachsene.

 

Gern verweise ich auf das wundervolle Gedicht von 

 

Khalil Gibran

(* 06.01.1883, † 10.04.1931)

 

Eure Kinder sind nicht eure Kinder

https://www.zgedichte.de/gedichte/khalil-gibran/eure-kinder.html

 

Ein sehr inspirierendes Buch möchte ich an dieser Stelle noch nennen.

 

What Do You Really Want for Your Children?

 

Wayne-W-Dyer

 

Hinweis: 

Termine, die am Behandlungstag abgesagt werden, werden zu 100 % in Rechnung gestellt.

Telefonische Anfragen, die über 15 Minuten hinausgehen, werden als Beratungs-Sitzung berechnet.

 

 

 

 


Indira Brünjes

Am Hochzeitswald 28

27711 Osterholz-Scharmbeck

 

(Kleinunternehmen i.S.d.  § 19 USt.)

 

Kontakt:

Telefon: 04791 - 50 22 892

Mobil: 0151 - 19 46 75 15

e-Mail: indira-b@t-online.de

 

Termine nur nach Vereinbarung

Hinweise:

Meine Sitzungen und Ausbildungen ersetzen nicht die Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker. Ich stelle keine Diagnose und gebe keine Heilversprechen.